Es wird jetzt kein ausfuehrlicher Bericht ueber die vielleicht groessten und schoenster Wasserfaelle dieses Planeten folgen – nur am Rande. Wie sooft im Leben ist das Vorspiel mindestens ebenso aufregend und die “Hauptattraktion” wird nicht allen Erwartungen gerecht. Was sich bei mir immer drumherum abspielt, wuerde ein ganzes Kamerateam amuesieren. Ich versuche einmal, einige Eindruecke festzuhalten. Immer noch im Hinterkopf, dass ich die manchmal erschwerten Bedingungen in Simbabwe meistern muss, machte ich mich Fruehmorgens um 6 Uhr zum “Busbahnhof” in Bulawayo um die ca. 260 km zu den Victoria Falls zu bewaeltigen.
Es fahren allerdings die Minibusse nur ab, wenn alle Sitzplaetze belegt sind. Das kann schnell gehen, aber auch schonmal dauern. In meinem Fall dauerte es etwas laenger… ich hatte reichlich Gelegenheit, den Chickenbus zu beobachten, eine extreme alte Kiste, indem Bauern auch ihre Huehner, Ziegen oder sonstiges Vieh an den Beinen zusammenbinden und im Personenbereich transportieren. Bei grosser Hitze entfaltet sich dort ein leckeres Aroma.. Nebenher liefen viele Verkaeufer mit Bananen, Apfelsinen, Teigwaren, Taschenmesser und viel Kleinkram herum – scheint mir deren Lebensunterhalt zu sichern, in einem Land, wo es quasi keine Arbeit gibt!! Nach einigen Gespraechen mit Mitreisenden, natuerlich war ich wie immer der Einzige Weisse im Bus, konnte ich die Wartezeit angenehm ueberbruecken. Um 10:30 Uhr war dann endlich Abfahrt. Die 4 Strassenkontrollen der Polizei wegen Geldschmuggel goennten uns eine angenehme Bewegungspause, da alle den Bus verlassen mussten – wieder einmal reine Schickane. Im Verlauf der Busfahrt wurde es immer enger, denn Leute vom Land standen am Wegrand und wollten mitfahren. Wie gesagt, der Bus war schon voll.. Die Fahrgaeste sassen in vierer-Reihen, doch der Busfahrer war der Meinung, daraus lassen sich fuenfer-Reihen bilden. Nun sassen wir alle kuschelig eng nebeneinander und die Musik sorgte fuer zusaetzliche gute Stimmung. Neben mir stillte eine Frau ihr Baby und gab ihm abwechselnd die rechte und linke Brust, bis es endlich ruhig war und einschlief. Willkommen in Afrika, dachte ich mir.
So, endlich war ich in Victoria Falls (uebrigens eine Kleinstadt in afrikan. Stil, wo sich viele Haeuser abgelegen und breit gestreut angesiedelt haben) angekommen. Yessie wartete schon einige Stunden auf mich, tja der Bus haette eben schon um 13 Uhr statt 17 Uhr ankommen sollen.. Der Empfang mit 2 Freundinnen fiel sehr herzlich aus, obwohl wir uns nicht kannten – es war mal wieder eine Bekannte von einer Bekannten.. Der lange Weg zu ihr Nachhause durch den Busch und tiefe Sandwege liess mich mit meinen Rucksaecken etwas schwitzen, aber es sollte sich lohnen!
Yessie’s Familie mit Ehemann und 3 Jungs warteten schon am Lagerfeuer auf uns. Der juengste Sohn ist 3 und hat mich blitzschnell ins Herz geschlossen. Er sass staendig auf meinem Schoos und wir spielten viel miteinander. Es bedarf keiner gemeinsamen Sprache zur Verstaendigung. Die aelteren sprachen natuerlich alle englisch und ich erzaehlte einiges ueber meine Zeit und Arbeit (z.B. Lehrer) in Simbabwe. Was uns verbindete, war die gemeinsame Arbeit mit Obdachlosen. Eine herrliche Atmosphere, fand ich: rundherum war es total dunkel, da es in diesem Randbezirk noch kein Strom gibt. Angenehm mild unter dem Sternenhimmel und wir hoerten nur einige Nachbarn reden sowie manche Tierlaute. Am Lagerfeuer, was gleichzeitig die Kochstelle = Kueche ist, fanden sich alle Familienmitglieder wieder. So stellte ich mir Afrika vor, dachte ich irgendwie bizarr, da ich aus anderen Lebensverhaeltnissen komme, was ich allerdings in keinster Weise erwaehnte und versuchte zu verbergen. Es gibt soviel zu betonen, dass ich hier nur kleine Ausschnitte aus den Begegnungen wiedergeben kann. Die einzige Wasserstelle im Haus war ein Wasserhahn, der irgendwo an der Ecke aus der Wasserleitung im Sand herausragte – vor dem Haus. Dort wurde das Wasser in Toepfen auf der Feuerstelle gekocht, was zu Tee/Kaffee, wie auch spaeter fuer Haendewaschen oder Badewasser genutzt.wurde. Die “Fenster” waren nur mit Plastikplane abgedeckt, ich meine also die Loecher in der Wand wurden so vor Wind und Regen prepariert – zur Waerme- und Schalldaemmung diente es weniger.. Wer sich die ganze Szenerie nun gut vorstellen kann, wird sich auch nicht mehr wundern, dass im Schlafzimmer = Esszimmer = Wohnzimmer nachts kleine Tierchen rumflitzen. Ich wurde vorgewarnt, aber seit wann machen mir Maeuse und Ratten etwas aus!? Das Rascheln und gepiepse war zwar ungewohnt, aber soll ich jetzt schreiend aus dem Haus laufen ;-o
Am naechsten Morgen ging ich mit dem Vater des Hauses in der Nachbarschaft spazieren und begruessten alle Bekannten kurz. Die Namen von allen kann ich mir nicht merken, deswegen klingt es teilweise etwas komisch. Bei einem Holzschnitzer blieben wir laenger, denn deren Arbeit interessierte mich sehr. Ein “talking stick” war das schoenste Stueck, allerdings noch nicht fertiggestellt. Auf dem Weg Nachhause begegnete uns eine Frau mit einem Eimer frischgefangener Fische. Diese Gelegenheit nutzte ich gleich, das Abendessen fuer die Familie zu besorgen – alle waren begeistert. Endlich gingen wir los Richtung Wasserfaelle, was ca. 1 Std. Fussmarsch bedeutete. Zwischendurch machten wir 2 Stops. Einmal bei einer Schwester von meiner Begleitung mit netten Hallo und smalltalk und dann bei Yessie’s Freundin zum Tee. Es war schon mittag, aber warum sollte ich auf die Zeit draengeln, denn meine Begleitung wusste sicherlich, wieviel Zeit fuer die Begehung und Besichtigung der Wasserfaelle ueblich sind.
Am Eingang durfte ich dann US$ 20 zuecken und lud meine beiden Begleiter natuerlich ein – fuer sie war nur umgerechnet US$ 1 faellig. Der Park um die gigantischen Wasserfaelle war teilweise wunderschoen tropisch, da der Wasserdampf und die staendige Hitze optimale Bedingungen fuer Palmen und tropische Gewaechse bilden. Einige witzige Affen (Baboos) waren auch aktiv und klauen auch schon mal Taschen o.ae. Das Rauschen war schon laengst zu hoeren, bevor ich den ersten Blick auf die Victoria Wasserfaelle erhaschte. Trotz Trockenzeit stroemt noch maechtig viel Wasser ueber 120m in die Tiefe. Schoene Regenbogen gehoerten auch zum Panorama – wie im Bilderbuch! Es waren nicht viele Besucher zu sehen und wir sassen oft laengere Zeit auf den Felsen und betrachteten dieses Naturwunder. Ueber hunderte, vielleicht sogar tausende Meter streckten sich die Wasserfaelle in verschiedenen Formationen und bildeteten im Tal einen Fluss, wo einige Touris auf Booten fuhren. Eine herrliche frische Brise, obwohl wir am anderen Ufer der Wasserfaelle waren. Nach der Regenzeit sieht man wegen dem Wasserdunst teilweise die Wasserfaelle garnicht, wurde mir gesagt. Ich konnte staendig staunen, denn die Szenerie aenderte sich staendig durch verschiede Felsformationen etc. An einer Bruecke stuerzten sich einige Besucher hinunter in 111m Tiefe – per Bungee Seil. Ein richtig schoener Tag!!
Die Fische schmeckten uebrigens lecker bei einem dieser Candle-light-dinner ganz besonderer Art.
Am naechsten Morgen besuchten wir einen Markt mit vielen schoenen Holzfiguren und millionen anderen Sachen. Eine Tour auf dem Zambezi-river hielt uns beschaeftigt, da Touristen nur in US-Dollar zahlen duerfen. Was tun, wenn ich keine habe und in Simbabwe keiner welche anbietet? Eine lange Geschichte, die ich lieber kurz halten moechte. Mit etwas Glueck machte ich dann die Sunset Cruise, allerdings ohne viel Erfolg – trotz viel grinsen und Bierkonsum (was uns der Skipper nahe legte) tauchten nur in der Ferne einige Nilpferde auf, sonst waren nur Voegel zu sehen, wenig spektakulaer. Dies war mein erster Versuch, die vielen wilden Tierchen in Afrika zu beobachten. Schliesslich ist diese Gegend weltbekannt fuer atemberaubende Safaris, dachte ich. Es wird also nur eine Frage der Zeit sein, bis ich in diesen Genuss komme…
Meine Reise begann am 20. Sept. 2005 und fuehrte ueber 4 Monate durch Suedamerika (Brasilien, Bolivien, Chile, Peru und Mexico) mit Flug von Los Angeles auf die Fijis. Ab Mai 2006 durchquerte ich das Naturparadies Neuseeland fuer 3 Monate mit eigenem Auto. Danach folgte eine Tour entlang der australischen Ostkueste ueber Darwin und Alice Springs. Was ab Juli im suedlichen Afrika geschah, spottet jeder Beschreibung....
Thursday, August 31, 2006
Wednesday, August 30, 2006
Monday, August 28, 2006
Geschichten aus Afrika
Auf einer Fahrt durch unwegsames Gelaende (Schotterpisten sind hier die Regel) fragten wir Frauen, welche Brennholz auf dem Kopf trugen, nach dem Weg. Natuerlich wird das in Afrika immer zu einer laengeren Konversation, da es viel Raum fuer Rueckfragen und Missverstaendnisse gibt. Allein die gegenseitigen Betrachtungen finde ich immer spannend. Die Augen wandern ueber den ganzen Koerper, weil sie nicht oft Weisse Menschen sehen und ich immer wieder fasziniert von den Bewegungen und Verhalten der schwarzen Frauen bin. Also standen wir eine zeitlang mit dem Auto auf dem Feldweg und die Langatmigkeit, oder Sinn fuer Geselligkeit, wurde ploetzlich aus der Ruhe gerissen. Die Frauen sprangen schnell zur Seite und ich wusste zunaechst nicht warum. Von hinten kamen 3 Esel mit einem Gespann angerannt und die beiden Jungs darauf peitschten die Tiere kraeftig an. So brausten sie zuegig, von einer Staubwolke begleitet, an uns vorbei. Die Frauen erholten sich auch schnell von dem Schreck, denn Verrueckte tauchen immer wieder auf…
Manche moegen vielleicht zur Behauptung neigen, dass ich mich staendig in christlichen Kreisen bewege und viel von Kirche etc. erzaehle, aber es sind nur wenige Tage, welche mich allerdings oft beeindruckten. Meine Neugierde macht quasi nirgendwo halt und so gibt es staendig Interessantes zu erleben. So z.B. die herrliche, einfache Trommelbegleitung bei den Gesaengen, was einfach auch Afrika ausmacht. Nachahmenswert finde ich auch, dass der Priester in Begleitung dieser Rhythmen mit dem Evangelium hoch erhoben in den Haenden haltend, tanzend und froehlich durch die Kirchengemeinde zum Altar geht. Nach dem sonst ueblichen Gottesdienstverlauf folgte noch was eigenartiges: ca. 30 min. Ankuendigungen jeglicher Art z.B. Spendenaufruf fuer Bischofsbesuch; Katechese war schlecht besucht (Taufe, Kommunion oder Firmung wird sonst ausgeschlossen); Rechnungsbericht fuer den Monat Juli: Einnahmen ZIM $ 85 mill.; Ausgaben: 10 mill. fuer Benzin (20 Liter)! Also blieben 75 mill. fuer die Gemeinde und Priester, was ca. einer Kaufkraft von 5 mittleren Einkaeufen entspricht! Da es keine finanzielle Unterstuetzung von sonstwo gibt, kann ich dieser Kalkulation nicht folgen. Wie soll das ganze Personal und andere Ausgaben getragen werden? Viele Fragen, mit typisch afrikanischen Antworten: irgendwie gehts immer. Zumindest wurde die Gemeinde ermuntert, weiterhin zu Spenden…
Natuerlich wurde ich oft vor Afrika gewarnt, weil es doch in Bezug auf AIDS, Malaria oder sonstigen Krankheiten und die Gefahr der Ueberfaelle gross ist. Allerdings lassen sich viele Risiken einschraenken, wenn ich mich vernuenftig verhalte. Diese Brisanz macht das Leben in Afrika aber auch sehr schoen und spannend. Manchmal fuehle ich mich wie in der Hoehle des Loewen und kann durchaus von Versuchen einiger Taschendiebe erzaehlen. Bisher war ich immer noch schneller als sie und mir ist nix passiert. In Botswana und Namibia gibt es oft keine oeffentliche Busse und fuer die Fahrten im Minibus gibt es keine klare Abfahrtszeiten; sobald der Bus voll ist, faehrt er los. Manchmal ist er auch ueberfuellt. Fuer 28 Sitzplaetze zaehlte ich spaeter 35 Fahrgaeste. Dann rutschen alle eben etwas zusammen auf den Vierer-Sitzreihen und machen eine Fuenfer-Sitzreihe draus – wo ist das Problem? Neben mir quetschte sich eine Frau mit Baby, welches staendig gestillt wurde – von der linken an die rechte Brust und umgekehrt – natuerlich auf afrikanische Art.
Mir ist schon bewusst, dass ich als weisser Einzelreisender mit Gepaeck oft eine Zielscheibe fuer Uebergriffe bin, so wie ich mich unter die Menschen mische. Dies ist allerdings meine Art zu Reisen und bisher haben die Ganoven von mir Abstand gehalten.
Klar ist es nicht immer einfach abzuschaetzen, wo die Gastfreundschaft beginnt oder aufhoert, aber auf die vielen guten Begegnungen moechte ich nicht verzichten. Schliesslich moechte ich mich nicht staendig und ueberall als Tourist fuehlen, sondern ein Teil vom Familienleben etc. erleben. Dazu gehoert auch, dass ich Essen auf der Strasse probiere (uebrigens viel sicherer als in Lateinamerika), welches in den Toepfen angeboten wird. Auf die Frage, wie gehe ich mit den Leuten anderer Kulturen korrekt und respektvoll um, loese ich stets spontan und impulsive. Viele sind etwas scheu, aber meine Art und Laecheln brechen schnell das Eis. Die ersten Themen sind oft aehnlich: woher kommst du und wohin gehst du; was mache ich hier? Wieviele Kinder hast du? Was sich dann alles entwickelt, kann ich hier nicht wiedergeben ;-) Es ist echt wunderbar einfach, da fast alle gut englisch sprechen und eine gemeinsame Sprache schnell verbindet. Mir fallen dann meistens reichliche Themen ein, und oft kann ich mit der einen oder anderen frechen Bemerkung nicht zurueck halten…
Das Nachtleben laesst sich schnell beschreiben: nach Sonnenuntergang sinkt auch die Hemmschwelle fuer diverses anruechiges Verhalten bei Maenner ist dies starker Bierkonsum mit unschoenen Begleiterscheinungen, Uerfaelle auf Einheimische und Touristen, Autoeinbrueche etc. Die Frauen lassen sich gerne auf ein Bier oder einen Snack einladen und scheuen vor keiner Koerperberuehrung zurueck, wo idR. nochmal gutes Geschaeft zu machen ist. Leider muss ich sagen, dass die Armut sehr viele Frauen zur Prostitution treibt, was natuerlich weitreichende Konsequenzen in der ganzen Gesellschaft hat. In der “hoeheren Klasse” ist das Verhalten anders. Das alles geschieht aber nur im Dunkeln, denn die Angst vor schlechtem Ansehen als Schlampe oder Nutte ist gross. Bei der Gelegenheit moechte ich doch noch erwaehnen, dass viele Frauen in Namibia mit ihren interessanten Frisuren, strahlenden Laecheln, schmale Taille, lange Beine etc. schon ein Hingucker sind…!! Dabei darf ich nicht verschweigen, dass ich mich bei Dunkelheit nie alleine vor die Tuer wagte. Fast immer bin ich einfach sicherheitshalber drin geblieben.
Ich wollte einfach mal wissen, wieviel Grad es heute sind und fragte jemanden. “Keine Ahnung, die Temperatur aendert sich jeden Tag.” Irgendwo hat er recht ;-)
Beim Verlassen des Krankenhausgelaendes, wo ich einige Tage bei Bekannten zu Gast war, sagte mir eine Sicherheitskraft: “Bring mir etwas kaltes zu trinken mit”. Auch sonst hoere ich oefter “Kaufe mir ein Bier, oder gebe mir Geld”. Dies geschieht immer im Befehlston – ohne Bitte. In der Hitze 12 Std. Dienst zu schieben, ohne etwas zu Essen und Trinken dabei zu haben, sind schon harte Lebensbedingungen. Zudem ist es natuerlich eine andere Kultur… heute hab es uebrigens einige Stunden kein Wasser…
Auf die Frage, warum in Namibia die HIV-Rate mit ca. 70% so extrem hoch ist, erhalte ich die Gegenfrage, warum die Rate in Deutschland so niedrig ist. Dabei ergeben sich natuerlich lange, interessante Gespraeche. Staendig sind die Leute dabei am Lachen, was mich immer wieder beeindruckt und nicht alles im Jammertal erscheinen laesst.
Zu guter Letzt noch dies: nach einem laengeren Gespraech mit einigen Leuten in der Wohnung bei Bekannten, verliess eine Frau die Runde zur Tuer und ich fragte, ob sie noch eine Runde joggen geht. Nein, sie geht immer abends gerne etwas spazieren, hiess es. Von anderen erfuhr ich allerdings, dass sie eine Bein- und Fussprothese hat… Naja, wohl voll ins Fettnaepfchen getreten…
Einige Kapitel ueber die Victoria-Wasserfaelle und die BIG FIVE folgen demnaechst…an weiteren Nationalparks und spannenden Erlebnissen mangelt es nicht! Es ist oft so genial, welche Gelegenheiten sich ergeben und sich Tueren oeffnen…
Manche moegen vielleicht zur Behauptung neigen, dass ich mich staendig in christlichen Kreisen bewege und viel von Kirche etc. erzaehle, aber es sind nur wenige Tage, welche mich allerdings oft beeindruckten. Meine Neugierde macht quasi nirgendwo halt und so gibt es staendig Interessantes zu erleben. So z.B. die herrliche, einfache Trommelbegleitung bei den Gesaengen, was einfach auch Afrika ausmacht. Nachahmenswert finde ich auch, dass der Priester in Begleitung dieser Rhythmen mit dem Evangelium hoch erhoben in den Haenden haltend, tanzend und froehlich durch die Kirchengemeinde zum Altar geht. Nach dem sonst ueblichen Gottesdienstverlauf folgte noch was eigenartiges: ca. 30 min. Ankuendigungen jeglicher Art z.B. Spendenaufruf fuer Bischofsbesuch; Katechese war schlecht besucht (Taufe, Kommunion oder Firmung wird sonst ausgeschlossen); Rechnungsbericht fuer den Monat Juli: Einnahmen ZIM $ 85 mill.; Ausgaben: 10 mill. fuer Benzin (20 Liter)! Also blieben 75 mill. fuer die Gemeinde und Priester, was ca. einer Kaufkraft von 5 mittleren Einkaeufen entspricht! Da es keine finanzielle Unterstuetzung von sonstwo gibt, kann ich dieser Kalkulation nicht folgen. Wie soll das ganze Personal und andere Ausgaben getragen werden? Viele Fragen, mit typisch afrikanischen Antworten: irgendwie gehts immer. Zumindest wurde die Gemeinde ermuntert, weiterhin zu Spenden…
Natuerlich wurde ich oft vor Afrika gewarnt, weil es doch in Bezug auf AIDS, Malaria oder sonstigen Krankheiten und die Gefahr der Ueberfaelle gross ist. Allerdings lassen sich viele Risiken einschraenken, wenn ich mich vernuenftig verhalte. Diese Brisanz macht das Leben in Afrika aber auch sehr schoen und spannend. Manchmal fuehle ich mich wie in der Hoehle des Loewen und kann durchaus von Versuchen einiger Taschendiebe erzaehlen. Bisher war ich immer noch schneller als sie und mir ist nix passiert. In Botswana und Namibia gibt es oft keine oeffentliche Busse und fuer die Fahrten im Minibus gibt es keine klare Abfahrtszeiten; sobald der Bus voll ist, faehrt er los. Manchmal ist er auch ueberfuellt. Fuer 28 Sitzplaetze zaehlte ich spaeter 35 Fahrgaeste. Dann rutschen alle eben etwas zusammen auf den Vierer-Sitzreihen und machen eine Fuenfer-Sitzreihe draus – wo ist das Problem? Neben mir quetschte sich eine Frau mit Baby, welches staendig gestillt wurde – von der linken an die rechte Brust und umgekehrt – natuerlich auf afrikanische Art.
Mir ist schon bewusst, dass ich als weisser Einzelreisender mit Gepaeck oft eine Zielscheibe fuer Uebergriffe bin, so wie ich mich unter die Menschen mische. Dies ist allerdings meine Art zu Reisen und bisher haben die Ganoven von mir Abstand gehalten.
Klar ist es nicht immer einfach abzuschaetzen, wo die Gastfreundschaft beginnt oder aufhoert, aber auf die vielen guten Begegnungen moechte ich nicht verzichten. Schliesslich moechte ich mich nicht staendig und ueberall als Tourist fuehlen, sondern ein Teil vom Familienleben etc. erleben. Dazu gehoert auch, dass ich Essen auf der Strasse probiere (uebrigens viel sicherer als in Lateinamerika), welches in den Toepfen angeboten wird. Auf die Frage, wie gehe ich mit den Leuten anderer Kulturen korrekt und respektvoll um, loese ich stets spontan und impulsive. Viele sind etwas scheu, aber meine Art und Laecheln brechen schnell das Eis. Die ersten Themen sind oft aehnlich: woher kommst du und wohin gehst du; was mache ich hier? Wieviele Kinder hast du? Was sich dann alles entwickelt, kann ich hier nicht wiedergeben ;-) Es ist echt wunderbar einfach, da fast alle gut englisch sprechen und eine gemeinsame Sprache schnell verbindet. Mir fallen dann meistens reichliche Themen ein, und oft kann ich mit der einen oder anderen frechen Bemerkung nicht zurueck halten…
Das Nachtleben laesst sich schnell beschreiben: nach Sonnenuntergang sinkt auch die Hemmschwelle fuer diverses anruechiges Verhalten bei Maenner ist dies starker Bierkonsum mit unschoenen Begleiterscheinungen, Uerfaelle auf Einheimische und Touristen, Autoeinbrueche etc. Die Frauen lassen sich gerne auf ein Bier oder einen Snack einladen und scheuen vor keiner Koerperberuehrung zurueck, wo idR. nochmal gutes Geschaeft zu machen ist. Leider muss ich sagen, dass die Armut sehr viele Frauen zur Prostitution treibt, was natuerlich weitreichende Konsequenzen in der ganzen Gesellschaft hat. In der “hoeheren Klasse” ist das Verhalten anders. Das alles geschieht aber nur im Dunkeln, denn die Angst vor schlechtem Ansehen als Schlampe oder Nutte ist gross. Bei der Gelegenheit moechte ich doch noch erwaehnen, dass viele Frauen in Namibia mit ihren interessanten Frisuren, strahlenden Laecheln, schmale Taille, lange Beine etc. schon ein Hingucker sind…!! Dabei darf ich nicht verschweigen, dass ich mich bei Dunkelheit nie alleine vor die Tuer wagte. Fast immer bin ich einfach sicherheitshalber drin geblieben.
Ich wollte einfach mal wissen, wieviel Grad es heute sind und fragte jemanden. “Keine Ahnung, die Temperatur aendert sich jeden Tag.” Irgendwo hat er recht ;-)
Beim Verlassen des Krankenhausgelaendes, wo ich einige Tage bei Bekannten zu Gast war, sagte mir eine Sicherheitskraft: “Bring mir etwas kaltes zu trinken mit”. Auch sonst hoere ich oefter “Kaufe mir ein Bier, oder gebe mir Geld”. Dies geschieht immer im Befehlston – ohne Bitte. In der Hitze 12 Std. Dienst zu schieben, ohne etwas zu Essen und Trinken dabei zu haben, sind schon harte Lebensbedingungen. Zudem ist es natuerlich eine andere Kultur… heute hab es uebrigens einige Stunden kein Wasser…
Auf die Frage, warum in Namibia die HIV-Rate mit ca. 70% so extrem hoch ist, erhalte ich die Gegenfrage, warum die Rate in Deutschland so niedrig ist. Dabei ergeben sich natuerlich lange, interessante Gespraeche. Staendig sind die Leute dabei am Lachen, was mich immer wieder beeindruckt und nicht alles im Jammertal erscheinen laesst.
Zu guter Letzt noch dies: nach einem laengeren Gespraech mit einigen Leuten in der Wohnung bei Bekannten, verliess eine Frau die Runde zur Tuer und ich fragte, ob sie noch eine Runde joggen geht. Nein, sie geht immer abends gerne etwas spazieren, hiess es. Von anderen erfuhr ich allerdings, dass sie eine Bein- und Fussprothese hat… Naja, wohl voll ins Fettnaepfchen getreten…
Einige Kapitel ueber die Victoria-Wasserfaelle und die BIG FIVE folgen demnaechst…an weiteren Nationalparks und spannenden Erlebnissen mangelt es nicht! Es ist oft so genial, welche Gelegenheiten sich ergeben und sich Tueren oeffnen…
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