Wednesday, March 22, 2006

Wanderbericht mit herrlichen Details

"Die bekannteste Fernwanderung im Fjordland ist der Milford Track, aber der ist laengst Opfer erfolgreicher Vermarktung geworden. "Der schoenste Wanderweg der Welt" ist nur noch ein vollmundiger Slogan der Fremdenverkehrswerbung. Er ist ueberfuellt, ueberreglementiert und hat seinen Reiz verloren.

Meine Wahl fiel auf den Routeburn Track, der - im Gegenteil zum Milford, auf dem es hauptsaechlich durch Taeler und nur einmal steil bergauf geht - die Baumgrenze hinter sich laesst, die Hoehenzuege entlangfuehrt und Ausblicke ueber den gesamten Nordosten Fjordlands bietet. Kombinieren wollte ich ihn mit dem Greenstone Valley Track, damit ich eine Woche vor mir hatte und Fjordland genau so betreten und verlassen konnte, wie die Menschen es jahrhundertelang getan hatten: zu Fuss.

Es liegt ein schlichter, aber intensiver Reiz darin, sich morgens auf einen Bergwanderweg zu begeben und zu wissen, dass man alles zum Leben Notwendige auf dem Ruecken traegt. Es ist das Vrtrauen, alles Ueberfluessige zuruecklassen zu koennen und eine Welt von unangetasteter, natuerlicher Schoenheit zu betreten, in der Geld wertlos und Besitz nur Ballast ist.

Der Anstieg auf den Harris Saddle lohnte sich allein wegen des Gipfelpanoramas im Westen, eine einzige Reihe von kilometerhohen Bergen. Nicht vorzustellen, dass Berge irgendwo enger zusammenstehen konnten - ein ganzer Ozean von weissen Kaemmen, wie ein arktisches Meer.
Abgesehen von dem im Gestruepp fluesternden Wind herrschte Stille. Auf dieser Hoehe, zwischen maechtigen Bergen, war ich mir sicher, dass ich alle gemeinen, gewoehnlichen Dinge hinter mir gelassen und eine Welt betreten hatte, in der es nichts Kleinkarriertes mehr gab. Das passende Gegenstueck zu diesem Gefuehl ist die rauschende Glueckseligkeit, die man in einer gotischen Kathedrale erleben kann - nicht in einer der neuseelaendischen Imitationen aus dem neunzehnten Jahrhundert, von denen es leider allzuviele gibt, sondern in einer echten.

Das Wandern in den neuseelaendischen Bergen regte mein Gedaechtnis an. Ich hatte diese seltsame Landschaft zutiefst noetig. Reisen, das meist als Flucht vor dem eigenen Ich angesehen wird, ist meiner Meinung nach genau das Gegenteil. Es gibt nichts, das so sehr die Konzentration foerdert oder das Gedaechtnis anregt wie eine unbekannte Landschaft oder eine fremde Kultur, und es ist schlicht unmoeglich, sich (wie romantische Seelen immer meinen) an einem exotischen Ort selbst zu verlieren. Viel wahrscheinlicher ist eine Erfahrung von tiefer Vergangenheitssehnsucht, die geistige Rueckkehr in ein frueheres Lebensstadium oder die Einsicht in einen schwerwiegenden Fehler. Allerdings geschieht das nie bis zu dem Grad, dass man die exotische Ggenwart nicht mehr wahrnimmt. Was das Ganze lebendig und manchmal aufregend macht, ist die Verschraenkung von Gegenwart und Vergangenheit: Mainz vom Harris Saddle aus gesehen.

Unten im Tal ging ich zwischen uralten Baeumen, und diese letzte halbe Stunde vor Anbruch dr Dunkelheit war wie ein Gang durch einen verzauberten Wald; Baeume, wahrhaftig so alt wie die Berge, grotesk vrbogen, feucht und modrig. Der Wald, der ueber tausend Jahre alt war, der nie beruehrt oder veraendert worden war, bot einen geisterhaften Anblick, Schichten ueber Schichten von Lebewesen tuermten sich uebereinander, und alles klammerte sich aneinander - Wurzeln, stuempfe und Aeste, Moos und Felsen bildeten ein einziges Gewirr, und von alem haengen Fetzen einer Flechte, die olf man's beard, Altmaennerbart, heisst.

Es war so dunkel und feucht, dass Moos rund um die Baumstaemme wucherte - das Sonnenlicht erreichte sie fast nie. Das Moos machte ihre Umrisse weicher, verwandelte die Baeume in riesige, muede, missgebildete Monster mit grossen schwammigen Armen. Durch die Feuchtigkeit war alles gepolstert und eingehuellt, die Aeste schimmerten schwaerzlichgruen. Der Waldboden war von Farnen ueberwuchert, jeder vorstehende Felsbrocken mit samtigen Moos ueberzogen. Hin und wieder hoerte man zwischen den Wurzeln und Farnen Wasser glucksen. Freundliche Rotkehlchen folgten mir.

Alles war sichtbar lebendig und wunderbar, und manche Stellen waren von einem geradezu unterirdisch feuchten Glanz. Es war wie der Wald im Maerchen, die perfekt schoene Wildnis, in der Geister und Feen leben, der Kindertraum vom Paradies, eine wunderschoene Disney-Landschaft, in der einem die Voegel aus der Hand fressen und man weiss, dass einem nichts zustossen wird." (Beste Gruesse an Paul Theroux)

fotos.web.de/rainerroundtheworld/NZ_Keppler_Routeburn_Greenston

Tuesday, March 21, 2006

Neben den vielen Top-Auflugszielen, welche in den meisten Reisefuehrern stehen, sind auf traumhaften Panorama-Strassen staendig Hinweisschilder zu weiteren spannenden und schoenen Touren zu finden. Oft sind es nur 15-30 minuetige Spaziergaenge und Buschwalks irgendwo in der Pampa, und schon stehe ich z.B. vor dem spektakulaeren Jacks Blowwhole (200m tief hat sich das Meer eine Hoehle ins Landgegraben und die Wucht der Wellen stroehmen heute noch beeindruckend kraftvoll in die Felsenwand).
Sicher gibt es viele Fachleute, z.B. Geologen, welche die Besonderheiten und Einzigartigkeit der neuseelaendischen Landschaft und Formationen in vielen Details begeistert belegen koennen. Ich, als Banause, lasse mich gerne nur von der Vielseitigkeit der Farben, Formen etc. und Stimmung der groesstenteils unbeschadeten Nautur begeistern und habe riesig Spass an der Szenerie und bin total fasziniert.
Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen: man weiss nie, was man gerade erwischt. Ich habe wohl eine Mischung entdeckt, die einzigartig brilliant ist. Geld ausgeben fuer die wenigen wichtigen Sachen macht hier richtig viel Spass. Awesome!

Alle Lebewesen ausser dem Menschen wissen, das der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu geniessen! Ist nicht von mir, aber ich setze es gern in die Tat um :-)

Wir sind ja noch jung und koennen alles machen...

Michael

Monday, March 20, 2006

Die Klassiker - Wandertouren!

Kepler Track (Tagestour 28 km) mit zuegig steilem Aufstieg und Riesenblick ueber den Te Anau See. Am naechsten Tag ging weiter zum Routeburn Track (20 km + 1 Std. Bonus Track zum Gipfel mit geilem Blick ueber Berge und Tasmanische See) mit Uebernachtung und Anschlusstrack Greenstone (ca. 30 km Abstieg und Flachland), wo ich auf leichten Abwegen auch schon mal bis zum Oberschenkel im Schlamm versank.. Beim Abschliessenden 3-Std.-Sonntagasspaziergang bekam ich eine Mitfahrgelegenheim zu meinem Auto. Sehr dankbar, da ich leichte Hufbeschwerden hatte und mich sehr auf eine Dusche und Erholung freute. Fazit: unglaublich, wozu ich doch alles imstande bin! Die vielen Hoehenmeter erwaehne ich quasi garnicht :-)

Wer jetzt denkt, ich koennte gerade mal um die Ecke Zigarretten nach Luxemburg holen gehen, was ja auch nur einem Spaziergang gleicht, kann mich gerne begleiten... oder mir eine ausgiebige Massage geben....

DIE Alpen-Gazelle