Wednesday, November 30, 2005

Auf Wiedersehen in Brasilien

Taeglich in fremder Umgebung, ausschliesslich mit `Auslaendern` zusammen zu sein, verleiht mir automatisch ein neues, total anderes Leben und Freude in EINER Welt. Es faellt mir nicht leicht, dies in passende Worte zu fassen, aber das Folgende formuliert meine Stimmung sehr gut.

"Ein Geschaeftsmann wollte vom Meister wissen, was das Geheimnis eines erfolgreichen Lebens sei. Sagte der Meister: "Mache jeden Tag einen Menschen gluecklich!" Und er fuegte als nachtraeglichen Gedanken hinzu: "...selbst wenn dieser Mensch Du selbst bist." Nur wenig spaeter sagte er: "Vor allem, wenn dieser Mensch Du selbst bist." (Anthony de Mello)

Das ich JEDEN Tag so entspannt verbringe und mich uneingeschraenkt auf jeden Tag freue, hatte ich mir vor der Reise nicht vorgestellt. Ohne Reisefuehrer lasse ich mich jeden Tag auf`s Neue inspirieren und begeistern. Plaene mach ich nur kurzfristig und lasse mich moeglichst wenig von den vielen Touristenattraktionen leiten, die mir die Route vorgeben wuerden.
Eine gute Dosierung von vielerlei Aktivitaeten und die passenden Leute um mich herum sind wohl wichtige Bestandteile fuer ein gelungenes Tagesrezept. Dabei habe ich mich bislang fast nur motorisiert bewegt und die langen Trekkingtouren in atemberaubender Natur uvm. stehen noch bevor. Also: auf gehts in andere Laender.

Ganz herzlichen Dank an alle, die bewusst oder unbewusst fuer jedes Gespraech, freundliche Gesten, Hilfsbereitschaft in vielen verzwickten Situationen (was z.B. Sprachprobleme und Orientierungsfragen angeht), offene Laecheln oder einfach nur durch deren Gegenwart und Andersartigkeit mir jeden Tag in Brasilien einzigartig und wunderbar gestaltet haben.

PEACE - LOVE - RESPECT -- ONE WORLD!!

Miguel

Tuesday, November 29, 2005

Am Wochenende in Salvador..

1 Woche lange durfte ich bei Heike Schmitz in Salvador/Bahia zu Gast sein. Sie ist seit 2 Jahren mit einem Doktorrat in Pädagogik beschäftigt und unterrichtet zudem GrundschullehrerInnen, welche lt. brasil. Gesetz ab 2007 bestimmt pädagogische Qualifikationen nachweisen müssen. Ausserdem erteilt sie noch einen Sprachkurs "Deutsch mit Heike". Gleichzeitig sind Heikes Eltern zu Besuch. Also, für deutsche Unterhaltung ist nach 2 Monaten Brasilien weiterhin gesorgt. Am 1. Tag besuchten wir gemeinsam mit Alexandra, eine Triathletin, welche im Juni einen bekannten Fotografen im aufwendigen Ritus des Cadomblê heiratete, ein Folklorekonzert im Theater. Dabei waren 5-6 sehr gute Musiker auf der Bühne, die sich häufig spontan mit anderen aus dem Publikum abwechselten und oft improvierten. Ein schönes Konzert in lässiger Atmosphere.

Am Freitagabend war ich mit Heike, ihrem Freund Ricardo und desse Freund im Goethe-Institut zu einem Jazz-Konzert. Richtig geiles Ambiente im Innehof eines alten, deutschen Anwesens mit geiler Mugge. Auf der Suche nach einem Restaurant sahen wir am Strassenrand einen Topf stehen, der lt. Ricardo mit einem toten Huhn, Reis, Bohnen und einem Foto von einem `Feind` bestueckt war. Entsprechend einem Brauch der afrikanischen Religion Candomble, sollen somit die Geister wieder fuer Frieden unter den Betroffenen sorgen (oder so aehnlich).

Am Samstagmorgen waren wir zu einem Schwimmwettbewerb am Meer, wo Heike und Ricardo teilnahmen. Bei starker Stroemung schwammen sie ca. 3-4 km. Respekt! Heike zaehlt dabei landesweit zu den Besten. Nach leckerem Fischessen gingen wir nahtlos ueber zu einer imposanten Parade von Sambagruppen, Folklore uvm. Im Verlauf des Abends lernte ich Deyse (42) mit Schwester (38), eine Bekannte von Ricardo, sowie deren Tochter Verena (19) mit Freundin Manuela (20) kennen. Ehe ich mich versah, war der Abend mit ihnen bereits verplant. Eine sympathische Stimmung in Deyse`s Wohnung mit herzlicher Gastfreundschaft (Internet, Musik, Videos, Duschen, Essen( und Verena spricht sogar etwas englisch.

Wir machten uns dann auf zu einem Sambakonzert fuer Einheimische mit klasse Trommlern und Performance. Irgendwie waren wir auch nach dem Zweiten Caipi nicht in der besten Tanzlaune / der Tag war doch schon lang und heiss. Zurueck in der Wohnung (wohlgemerkt mit 4 Frauen) duschten nochmals alle und hoerten Musik. Spaeter legte ich mich auf`s Sofa, weil meines Erachtens die Situation in der kleinen Wohnung eindeutig schien. Allerdings bemerkte Deyse, dass es doch viel zu unbequem auf dem Sofa sei und ich in ihrem Doppelbett schlafen kann. (Anmerkung-Deyse ist eine schwarze Perle mit mind. 2 Zentner, ihre Tochter vielmehr ein echter Blickfang - Foto folgt). Die gute Erziehung und eine klare Aufteilung der Betthaelften liessen dann keine Missverstaendnisse aufkommen....und die Nachtruhe war -ohne Zwischenfaelle- gesichert!

Am Sonntag war ich wieder mit den 4 Frauen in der Stadt unterwegs. Zum Capoeira im Mercado Modelo, dann 1 Skol in Pelourinho zur schoenen Livemusik. Entlang der farbenfrohen Altstadt erklaerte mir Deyse einige kulturelle Sachen - einfach schoen. Wir assen dann Pirao am Strand - 2 Schuesseln mit 5 Gabeln, und los gehts. Weil die letzte Nacht so schoen war, durfte ich gleich nochmals neben Deyse uebernachten. Nach vielen klassischen Videoclips z.B. ABBA, schlief ich dann auch bedenkenlos ein.


Monday, November 28, 2005

Jeder Tag wie kein anderer!!

Ausschlafen! - ohne Wecker oder Weckdienst, solange das gute Gewissen es erlaubt - NO STRESS! Die viele, neue Eindrücke wollen schliesslich verarbeitet werden. Nach dem Duschen ermal frühstücken: warme Milch mit Kaffee, Obstteller mit Banane, Mandarine, Papaya, Honig- oder Wassermelone, Abacaxi (Ananas) und dazu frisch gepresster Suco (Saft) - allein dafür würde ich schon einiges anstellen.. mmmh, bedenke: die Früchte wachsen hier und wrden reif geerntet! Ein echter Genuss. Toastbrot/Brötchen mit Käse oder diverse leckere Marmelade gehört auch dazu. Damit kann der Tag doch nur noch gelingen.

Die Frage, was ich heute anziehen soll, stellt sich erst garnicht: T-Shirt, Shorts und Havaianas (Flip-Flops) sind Standard. Welche leichte Kleidung die Frauen bei diesen tropischen Temperaturen tragen, bedarf wohl keiner detailierten Beschreibung ;-) Nur soviel: modisch, figurbetont und Schuhe mit hohen Absätzen. Die Beine scheinen Manchmal nicht mehr enden zu wollen. Dabei ist Ana Hickmann, lt. Guinness Buch die Frau mit den längsten Beinen. Ihr Elternhaus habe ich gesehen und Bruna ist eine gute Freundin von Ana´s Mutter - alles ganz normale Leute. Ana hat als brasil. Vorzeige-Model eine eigene Fernseh Show.

Am Vormittag spaziere ich etwas umher. Unterhalte mich mit Leuten, wo ich gerade wohne oder in der näheren Umgebung einfach so kennenlerne. Dabei sind fast alle sehr redselig und freundlich, ob im Geschäft, Post, Bankautomat, Taxifahrer, Busfahrer oder Getränkehändler, Obstfrau etc. Wenn man jemanden zum 2. mal trifft, kennt man sich quasi schon besser und verweilt gleich etwas länger, denn zu erzählen gibt es immer etwas.

Wo die Möglichkeit besteht und der Tagesablauf es zulässt, schaue ich fast täglich ins Internet um manche Nachrichten (Tagesschau) zu lesen und Emails zu bearbeiten. Das Speichern vieler Fotos ins Internet-Fotoalbum bzw. Berichte in meinen Blog zu stellen, ist jeweils eine längere Sache. Ohne Uhr am Handgelenk und Terminvorgaben im Kopf habe ich ständig das Gefühl, Zeit zu gewinnen statt zu verlieren - seltsam! Bzw. spielt Zeit plötzlich eine total untergeordnete Rolle - schliesslich bin ich auf einer Weltreise ;-)

Mein subjektiver Zeitmesser ist der Magen (aaahh, werden jetzt einige sagen). Oft gehen wir in Restaurants mit frischem kalten und warmen Buffet, wo das Essen nach Gewicht (kilo) abgerechnet wird. Dank Insider-Tipps habe ich hier nur sehr gute und günstige Lokale besucht (für ca. 6 EUR inkl. Getränke f. 2 Personen). Anschliessend habe ich mir manchmal ein NIckerchen gegönnt, aber meistens sind wir irgendwo unterwegs und Leute getroffen oder einfach Dummheiten angestellt - mit Ricardo oder anderen.

Mancherorts hatte ich den Eindruck, dass Frauen den ganzen Tag mit Besen oder Putzlappen im Haus unterwegs sind - ein ständiger Kampf gegen Staub und Schmutz :-) Das Abendessen um ca. 19-20 Uhr im Gastgeberhaus oder mit einigen Bekannten im Restaurant, Pizzaria etc. mit munterer Unterhaltung und stetig neuem Kennenlernen sind immer vergnüglich.

Gegen Mitternacht ist meistens nach einer Dusche der Sprung ins Bett angesagt. Manchmal lese ich etwas über brasil. Kultur oder Geschichte, was bei mir die Frage aufkommen lässt: habe ich jemals einen Indio-BrasilianerIn gesehen oder sind es nicht alle die Nachfahren europ. Einwanderer im Süden und afrikan. Sklaven im Nordosten?? Die Indios wurden mit ihrer Kultur von den herrschenden Kolonialherren als nicht lebenswürdig empfunden und vernichtet..

Soweit einige Eindrücke und Struktur zu meinem Tagesablauf, der fast immer mit vielen Begegnungen und Erlebnissen garniert wird, dessen Details ich hier möglichst oft mit Allen teilen möchte.

Nun geht´s weiter nach Bolivien und Peru zu Trekkingtouren - ab in die wunderschöne Natur.

"Wer erkannt hat, dass sein Leben nur eine Leihgabe ist, betrachtet jeden Tag als ein Geschenk." (Jakob Ternay)

PEACE - LOVE - RESPECT -- ONE WORLD!

Bis bald,

Miguel